Sonntag, 16. September 2012

Märchenhafte Gaumenfreuden in der Waldgaststätte Rose

Dornröschen's Rosenmenü

Während der Anfahrt zur Gaststätte Rose in Melsungen, OT Röhrenfurt, dachte ich zunächst eher an Rotkäppchen und den bösen Wolf. Auf einer schmalen, asphaltierten Straße ging es immer weiter in den Wald hinein. Irgendwann sagte uns das Navigationsgerät "sie haben ihr Ziel erreicht, das Ziel ist rechts". Kurzer Blick nach rechts - grüne Waldwiese, Wald, sonst nichts. Der Tipp an alle FreundInnen märchenhafter Küche: einfach weiterfahren, immer dem Sträßchen folgen. Die hat nämlich nur ein Ziel: die Waldgaststätte. Und noch ein Hinweis: schon im Melsunger Ortsteil Röhrenfurt folgt man am besten den Hinweisschildern "Tierpark". Der gehört auch dazu und so findet man das ganz leicht.

Kartoffelcremesüppchen mit Blütenblättchen

Neugierig geworden? Dann kommt hier erst mal das Menü:
:: Kartoffelcremesüppchen mit Häubchen aus Blütenblättchen
:: Braten aus der Hirschkeule mit Pilzen des Waldes an Rosenkohl, dazu Rosen von der Kartoffel
:: Dornröscheneis unter der Schokoladenhecke


Sekt mit Rosenblüten aromatisiert
 

Für uns Testesser war ein Tisch exra eingedeckt, der sich ganz dem Thema Dornröschen widmete. Das ist auch auf den Bildern gut zu sehen. Empfangen wurden wir von der Schwester der Märchenköchin Marina Bernhardt. Zum "Ankommen" gab es ein Glas Sekt, fein mit Rosenwasser aromatisiert und mit frischen Rosenblüten dekoriert. Da empfehle ich: probieren. Denn es ist nicht so einfach, das richtige Mischungsverhältnis hinzubekommen. Hier klappt das, denn der Name Rose ist hier auch ein wenig Programm.




:: Kartoffelcremesüppchen mit Häubchen aus Blütenblättchen

Optisch kam ein feines Täschen auf den Tisch. Feine, bunte Blüten auf einer cremig-feinen Kartoffelsuppe, die auch für's Auge als solche zu erkennen war. Eine Vorspeise, die von ihrer klaren und einfachen Kombination gut lebte. Die Suppe war fein, cremig und hatte auch eine schöne Kartoffelnote. Kräftig abgeschmeckt und  von einem Klecks Sahne gekrönt. Die Sahne war dann auch die "Trennschicht" von der heißen Suppe zu den Blüten. Die krönten das Ganze oben auf. Die Sahne schütze die Blüten vor der heißen Suppe, lies aber genug Wärme durch, so dass man einen bunten Blumenstrauß mit einem Kartoffeligen Hintergrung riechen konnte. Einfach, regional, optisch sehr schön. Mein Fazit: nach einer schönen Waldwanderung genau das Richtige zum Aufwärmen und als Vorspeise. Das Süppchen sollten Sie probieren.

:: Braten aus der Hirschkeule mit Pilzen des Waldes an Rosenkohl, dazu Rosen von der Kartoffel
Das Hauptgericht machte ein wenig den Spagat zwischen der traditionellen "gutbürgerlichen" hin zu einer eher modern interpretierten Küche. Mein Wusch gleich vorneweg: da darf die Küche gern noch mutiger sein.
Optisch ein bunter großer Teller, opulent auch für das Auge. Drei Scheiben Fleisch, eine große Portion ganz junger, ganz traditonell mit Speck zubereiteter Rosenkohl. Ein raffiniertes Kartoffelkörbchen mit angebratenen Waldpilzen gefüllt. Eine halbe gedünstete Birne mit Preiselbeeren, Soße satt. Die Kartoffelrosen gab es in einer extra Schüssel.
Das Fleisch war zart und so wie man sich so eine feine Hirschkeule eben vorstellt. Und drei Scheiben machen auch den hungrigsten Wanderer satt, spätestens zusammen mit den Beilagen. Der Rosenkohlklassiker hat mich sehr gefreut, es muss nicht immer nur die super moderne Küche sein. Hier stimmte die Tradition froh: knackiger junger Rosenkohl, dezent deftig zubereitet und angerichtet. Zusammen mit der kräftigen, sämigen Fleischsoße und ein paar von den Kartoffelröschen auch ohne den Hirschbraten als Sattmacher gut. Die Waldpilze im Kartoffelkörbchen waren eine gute Idee, schmeckten auch. Aber ich würde mir da beim nächsten Mal wünschen, dass die unterschiedlichen Pilze getrennt zubereitet werden. Sie haben ja alle unterschiedliche Garpunkte. Ich denke, sie waren zusammen in der Pfanne und so war ein Teil genau auf den Punkt, einige waren aber leider auch schon mehr als gar. Die (wahrscheinlich) fertigen Kartoffelröschen hätte es nicht unbedingt gebraucht. Da wünsche ich mir lieber mehr von den selbst gemachten Kartoffelkörbchen, einfach so, ohne die Pilze. Die waren schön knusprig und viel leckerer. Schön fand ich auch die extra Birne mit Preiselbeeren. Die war eine feine Ergänzung zum Fleisch und so konnte man sie ganz nach belieben dazu essen oder zwischendurch als feinen Kontrast extra genießen.
Mein Fazit: Wer zu diesem Hauptgang nach einem ausgiebigen Waldspaziergang einkehrt, macht mit diesem Hauptgang nichts falsch. Top Fleisch und Gemüse mit feiner Birne-Preisebeerbeilage und eine große Portion wie in alten Landgasthofzeiten.

Braten aus der Hirschkeule mit Pilzen des Waldes an Rosenkohl, dazu Rosen von der Kartoffel


Als Zwischenspiel vor dem Dessert gab es eine kleine Überaschung. Rosenlikör, selbst hergestellt. Leichter Rosafarbton, sanfter Rosenduft und ein feiner, angenehmer Rosengeschmack. Leichte Süße, ordentlich Alkohol. Aber der hielt sich dezent im Hintergrund. Hausgemacht, wie in alten Zeiten. Rosenblütenblätter mit Schnaps aufgießen, Sonne und Fensterbank usw. Kenn ich noch von Opa und Oma. Aber lecker, sollte man nachfragen und probieren.

:: Dornröscheneis unter der Schokoladenhecke
Raffiniert angerichtet kam das Eis auf einem Kirschspiegel unter dem Schokoladengitter auf den Teller. Optisch ein verführerisches Dessert. Geschmacklich war's auch sehr fein. Ein schön kontrastreiches Mundgefühl: knusprige Schoki, cremiges, leicht süßes Vanilleeis (dafür übrigens Abzüge in der B-Note, denn das war zugekauft), leichte Säure von den Früchten und noch ein wenig mehr Sünde in Form von etwas Sahne. Nach dem Kartoffelsüppchen und dem Hirschbraten ein guter Abschluss.




Dornröscheneis unter der Schokoladenhecke


Mein Gesamtfazit: Dieses Menü hält, was es verspricht. Gut bürgerlich mit einem schönen Märchen und Namensbezug (Waldgaststätte Rose). Für die eingesetzten Fertigprodukte muss man Abstriche in der B-Note machen. Dafür waren aber hier deutlich mehr als 75% der Zutaten saisonale Produkte aus der Region. Und das gibt einen deutlichen Pluspunkt. Insgesamt ein lohnender Ausflug, der angesichts des dazu gehörigen Tierparks auch für Kinder viel Spaß bringen kann.

Dienstag, 11. September 2012

Märchenhafte Gaumenfreuden im Waldhotel Wiesemann

Märchenhafte Gaumenfreuden im Waldhotel Wiesemann

Montag, 10.09.2012
Dieses Testessen kann ich auch gut mit "Es war einmal..." beginnen. Ich komme aus dieser Gegend, aus Nordhessen. Und ich war auch schon mal am Edersee, mehr als einmal. Aber das ist ewig lange her, so lang, dass ich schon nicht mehr sagen kann, ob es 20 oder 30 Jahre sind. Gestern spät Nachmittags also dann auf zum Waldhtel Wiesemann. Das Wetter konnte nicht besser sein, Sonne und blauer Himmel. So empfing uns der Stausee also mit seiner besten Seite. Glitzernd lag er da in der Abendsonne, von der Hotelterrasse hatten wir einen tollen Blick bis hinüber zur Staumauer.

Blick auf den Edersee

Dort, auf der Terrasse, wurden wir von der Inhaberin Michaela Wiesemann-Siebert mit einem kleinen Überblick zur Geschichte des Familienbetriebs empfangen. Dazu gab es wahlweise einen alkoholfreien "Apple' ritif". Leicht rosa und feines prickeln im Glas. Wird aus Äpfeln hergestellt, ist eine fein-fruchtige Alternative zum Prosecco und dürfte z.B. auch Kindern und Jugendlichen bei solchen Gelegenheiten Spaß machen. Oder man konnte sich für die deutsche Antwort auf Prosecco entscheiden. Der "Moritz" kommt vom Weingut Axel Schmitt, eine Cuvee aus Bacchus, Müller-Thurgau und Scheurebe. Biowein, zertifiziert. Wer ihn probierte, beschrieb ihn als echte Alternative zu einem guten Prosecco.

Service-Prinzessinnen
Es ist eingedeckt...


Das Märchenmenü stand unter dem Motto "Der Froschkönig". Davon später mehr. Die Speisenfolge lies auf alle Fälle Gutes ahnen, und deshalb kommt die hier erst mal vorne weg:
:: Wildkräutersalat mit Risotto-Krapfen und Apfelvinaigrette
:: Schaumsuppe von der Brunnenkresse mit Brot-Chip
:: Seelachs im Kartoffelmantel auf Lauchgemüse mit Safranschaum
:: Basilikum-Limonen-Sorbet
:: Glasierte Perlhuhnbrust auf Pfifferlings-Risotto mit Thymian-Honig-Jus
:: Waldmeistermousse mit grünem Apfelgelee auf Holunderspiegel


Getränke:
Bis zum Sorbet lautete die Empfehlung: 2011er Riesling trocken vom Weingut Hechtmann (Ilbesheim, Pfalz). Der war die Empfehlung wert, entpuppte sich als knackiger Riesling mit spritziger Säure und einer angenehmen Fruchtnote. Und hatte genügend Kraft, um auch dem kräftigen Kartoffelmantel standzuhalten.
Danach gab es einen 2010 St. Laurant Rosé, auch Biowein vom Weingut Wittmann-Westhofen in Rheinhessen. Der zeigte sich als recht kraftvoller Rosé mit einer klaren Frucht (Spätburgunder und St. Laurent), einer harmonischen Säure und ganz am Ende mit feiner mineralischen Würze. Kurz: sowohl zum Perlhuhn als auch zum Dessert hat mir dieser Rosé gut gefallen.

Das gesamte Menü wurde vom Märchen vom Froschkönig und dem eisernen Heinrich begleitet. Die beiden Damen vom Service waren entsprechend märchenhaft gekleidet und trugen das Grimm Märchen mit sichtlicher Freude vor. Spannend fand ich dabei, dass wir als Gäste einbezogen waren. Wir durften alle zu Beginn Feenstäbe ziehen, die alle einen kleinen Ausschnitt aus dem Märchentext enthielten. Und den sollte jede/r an der richtigen Stelle zum Einsatz bringen. Damit waren wir auch als Testesser mitten im Märchen.
Frosch im Glas

Froschkönigin

Märchenstäbe

Froschkönige


Nach dem Ausflug in die Getränke- und Märchenwelt aber zum Kern des Abends. Hier also meine Eindrücke von den einzelnen Speisen und ihrer Präsentation.

:: Wildkräutersalat mit Risotto-Krapfen und Apfelvinaigrette
Optisch kam dieser Auftakt sehr fein daher. Klar, fein und nach den einzelnen Bestandteilen getrennt angerichtet kam der erste Gang auf einem passenden schlichten, rechteckigen Teller mit runden Schwüngen auf den Tisch. Mir hat das gut gefallen, denn so kann man auch schön die einzelnen Bestandteile eines Gerichts auch einzeln kosten. Die Risotto Krapfen kamen sehr heiß bei uns an, waren sehr knusprig in Öl ausgebacken. Der Risotto war fein mit Kräutern gewürzt, die natürlich die Brücke zum Salat bildeten. Der war außergewöhnlich. Eine "wilde" Kräutermiscung, sogar Blüten waren dabei, angerichtet mit einer fein-herben Apfelvinaigrette. Die war aber dezent genug, um den besonderen Geschmack der Wildkräuter zu stützen. Mir hat das sehr gut geschmeckt. Ich gebe aber zu, dass vielleicht nicht jede/r diesen Salat mag, denn das eine oder andere Kräutlein hatte auch kräftige Bitternoten. Ich mag das gern - und vor allem ist das auch noch gesund. Meine Empfehlung: unbedingt probieren.

Wildkräutersalat mit Risotto-Krapfen und Apfelvinaigrette


:: Schaumsuppe von der Brunnenkresse mit Brot-Chip
Optisch war diese Suppe knallig. Beinahe Neon-Grün kam sie daher. Also ganz vier Kresse drin, denn die lieferte die Farbe. Geschmacklich war das Süppchen fein, schöner Kressegeschmack, aber nicht dominant. Gut gewürzt und abgeschmeckt mit fein geschnitten Kräutern oben auf. Und sie war cremig, nicht schaumig. Das war auch lecker, aber machte sie als Zwischengang ein klein wenig "mächtig". Da würde ich mir beim nächsten Mal etwas weniger Sahne und dafür einen Mehreinsatz des Pürierstabs wünschen. Dann könnte diese Suppe perfekt sein.

Schaumsuppe von der Brunnenkresse mit Brot-Chip


:: Seelachs im Kartoffelmantel auf Lauchgemüse mit Safranschaum
Optisch eine raffinierte Komposition. Eine knusprig-braune Roulade aus Kartoffel und Fisch auf einem gelb-grünen Lauchbett, umrahmt von einem zarten Schaum. Geschmacklich trug dieser Gang einige Überraschungen in sich. Den Fisch in ganz feine Kartoffelzesten einzupacken, war auch geschmacklich eine gute Idee. Das brachte auch ein Überraschungsmoment in das Mundgefühl. Knusprige Kruste trifft auf milden, saftigen Fisch. Das Lauchgemüse lieferte eine knackige Frische und leichte Säure, der feine Safranschaum brachte eine dritte Geswchmackskomponente, allerdings sehr dezent.
Das Gericht fand ich sehr gelungen, ich hätte aber hier einen Fisch aus der Region bevorzugt. Hecht zum Beispiel, der könnte noch besser da hinein passen. Und meine Kartoffelkruste hatte einen Hauch zuviel Salz, aber das kann auch daran liegen, dass ich selbst beim kochen mit Salz äußerst sparsam bin.

Seelachs im Kartoffelmantel auf Lauchgemüse mit Safranschaum


:: Basilikum-Limonen-Sorbet

Das Sorbet war als Erfrischung vor dem absoluten Hauptgang ein Knaller. Die Kugel kam mit einer frisch-hellgrünen Farbe daher, umspielt von ein paar gehackten Pistazien. Die Konsistenz des Sorbets war perfekt, cremig, dahin schmelzend auf dem Punkt. Basilikum und Limone fanden sich einem ausgewogenem, sehr feinen Zusammenspiel geschmacklich vereint wieder.
Basilikum-Limonen-Sorbet


:: Glasierte Perlhuhnbrust auf Pfifferlings-Risotto mit Thymian-Honig-Jus
Das Perlhuhnbrüstchen thronte auf dem Risotto und wurde selbst von einem Thymian-Rosmarinzweig gekrönt. Das spielte also auch optisch schon auf die Zutaten im Jus an. Das Fleisch war perfekt, gemau auf dem Punkt. Zart, saftig, der Eigengeschmack war da. Und die Haut war schön knusprig. Dafür hatten die Märchenköche Wilfried und Lukas Siebert Honig zu Hilfe genommen, der sorgte nicht nur für eine feine Kruste, er gab dem Fleisch auch noch einen kleinen Aromakick mit auf den Weg. Das Risotto war schön "schlotzig", also fein, cremig, sahnig und der Reis innen noch mit etwas Biss. Es war mit Kräutern fein abgeschmeckt. Eine runde Sache, allerdings gingen die Pfifferlinge geschmacklich dabei ein wenig unter. Ich kann mir gut vorstellen, die Pfifferlinge beim nächsten Mal nicht im Risotto zu haben. Statt dessen würde ich sie mir lieber extra wünschen, leicht in der Pfanne mit etwas Butter angeschwenkt. Sie würden dann auch selbst optisch aufgewertet und damit auch den ganzen Teller für's Auge interessanter machen.

Glasierte Perlhuhnbrust auf Pfifferlings-Risotto mit Thymian-Honig-Jus


:: Waldmeistermousse mit grünem Apfelgelee auf Holunderspiegel
Optisch war das Dessert ganz sicher das Krönchen des Menüs. Geschmacklich kam damit noch mal eine Steigerung. Genau der "Kick", den ein Dessert bringen muss, wenn es nach einem gelungenem Menü am Ende bestehen soll. Eine leichte Mousse mit einem feinen Waldmeistergeschmack, mit dem das Dessert raffiniert wieder an den ersten Gang und den Wildkräutersalat anknüpfte. Das Ganze in ein Netz aus weißer Schokolade gefüllt, auf einem feinen Apfelgelee, der wiederum auf einem dezenten Holunderspiegel lag. Als "Träger" fand sich dann ganz unten drunter ein feines Bisquit. Da kann ich nur empfehlen: vorsichtig mit dem Löffelchen ein Stück so abstechen, dass alle Zutaten drauf sind. Und dann ab in den Mund und langsam auf der Zunge zergehen lassen! Für's Auge witzig fand ich die Wackelpudding "Steine" und die Mangokleckschen. Geschmacklich waren sie aber nicht nötig.

Waldmeistermousse mit grünem Apfelgelee auf Holunderspiegel


:: Fazit
Ein gelungenes Menü, mit sehr vielen regionalen und märchenhaften Bezügen. Die Kombination mit italienischem Risotto passt da vielleicht nicht ganz, andererseits war gerade das im Zusammenwirken für mich besonders gelungen. Und ich liebe Risotto, ganz besonders natürlich, wenn der so lecker zubereitet ist. Nur beim Fischgang würde ich mir tatsächlich einen einheimischen Vertreter wünschen. Vielleicht passt auch Zander oder Forelle gut in so ein knuspriges Kartoffelkrüstchen.
Die Tischdekoration passte sehr gut zum Märchenthema und das wiederum wurde frisch und fröhlich präsentiert. Die Idee, die Gäste da auch ein wenig einzubeziehen, war für mich sehr pfiffig umgesetzt und hat Spaß gemacht.
Meine Empfehlung an die geneigten Leser: das schöne Spätsommerwetter nutzen, raus fahren zum Edersee und dieses Menü auf der Terrasse mit einem tollen Ausblick genießen.

Sonntag, 9. September 2012

Märchenhafte Gaumenfreuden im Landgasthof Steller

Grimm Heimat Nordhessen

Märchenhafte Gaumenfreuden im Landgasthof Steller
Samstag, 08-09-2012

Gestern Abend war's so weit. Ich nicht am Herd, sondern im Rahmen der Aktion "Märchenhafte Gaumenfreuden" als Testesser unterwegs. Ich habe mich richtig drauf gefreut. Denn verrückt ist ja: der Landgasthof Steller lag fast 4 Jahre auf meinem Weg, wenn ich meinen Sohn in der Nähe von Marburg besuchte. Immer, wenn wir vorbei fuhren, haben wir gedacht: eigentlich müssen wir mal hier einkehren. Ich musste erst Testesser werden, damit das geschah.
Ich war etwas früher da und wurde bei herrlichem Sonnenschein vom Chef des Hauses an der Tür empfangen. Bei einer angenehmen Plauderei verging die Zeit bis die Runde komplett war wie im Flug. Zum Start gab es ein Gläschen leckeren Winzersekt und ein paar feine Appetithäppchen, draußen in der Abendsonne. Verschieden Brotsorten, belegt mit einer feinen Ziegenkäsecreme und einer Scheibe alter Wurst, oder mit einer angenehm scharf angemachten Frischkäsecreme. Die kleinen Häppchen waren schön anzuschauen, lecker und liessen sich gut nebenbei während der Kennen lern Runde naschen.

Appetithäppchen

Und dann ging's nach drinnen, wo uns passend zu den Grimm Märchen eingedeckte Tische erwarteten. Die Menükarte hat alle Testesser schon mal neugierig gemacht. Für alle, die jetzt sofot wissen wollen, was das für eine Menü ist - voila:
Tischlein deck Dich - ist das Motto für das nachfolgende Menü.
:: Ziegleins Weideglück (Mousse von Ziegenkäse an Wiesenkräutern und Kleeblättern
:: Tischlein deck dich (Terrine vom Lachs an Blattsalat und geschwenkten Pfifferlingen)
:: Bricklebrit (Geschmorter Tafelspitz mit glasierten Trauben an Wurzelgemüse und Goldtalern)
:: Die süße Flucht (Tischlein deck dich mit Schokoladenmousse auf Joghurt-Himbeerspiegel an Nuss-Halbgefrorenem und Früchten)

Nachdem wir alle unsere Getränke ausgewählt hatten (ich hatte einen fruchtig-trockenen Grauburgunder mit feiner Säure von der Nahe) gab es als Wartezeitabkürzung zunächst mal einen feinen Appetizer. Dreierlei Brot, dazu eine Ziegenkäsecreme, hausgemachtes Griebenschmalz und eine Kräuterbutter. Als besonders gelungene Überraschung gab es aber von der Tochter des Hauses und ihrer Freundin das Märchen vom Tischlein deck dich. Dieser Vortrag hat sehr viel Spaß gemacht und war gut gelungen! Dafür ein extra Dankeschön.

:: Ziegleins Weideglück (Mousse von Ziegenkäse an Wiesenkräutern und Kleeblättern
Die Mousse sehr fein, dezenter Geschmack nach Ziegenkäse. Dazu gab es einen Klecks von sehr fein abgestimmter Apfelcreme und optisch sehr schön zugeschnittenes Brot. Für's Auge fein angerichtet und geschmacklich harmonierte das alles wunderbar. Und die feinen Tomatenstückchen waren nicht nur Zierde. Die waren schön gereift und hatten Aroma.

Mousse von Ziegenkäse an Wiesenkräutern und Kleeblättern


:: Tischlein deck dich (Terrine vom Lachs an Blattsalat und geschwenkten Pfifferlingen)
Optisch kam hier ein Zwischengang auf den Tisch, der jeden "Augengenießer" begeistern muss. Ein sehr schön und pfiffig angerichtetes Salatbündel, die geschwenkten Pfifferlinge und ein feines Dressing kamen da gut zusammen. Ich probiere ja immer erst jedes Teil eines Gerichts einzeln. Die Pfifferlinge waren traumhaft gut, das Dressing war fein, der Salat angenehm mit Essig, Öl und frischen Kräutern angemacht. Nur die Lachsterrine fiel da ein wenig ab, die hätte ich mir mit etwas mehr Lachsgeschmack gewünscht. Aber - alle Teile zusammen genommen bildeten dann doch eine fein abgestimmte Einheit.

Terrine vom Lachs an Blattsalat und geschwenkten Pfifferlingen


:: Bricklebrit (Geschmorter Tafelspitz mit glasierten Trauben an Wurzelgemüse und Goldtalern)
Tafelspitz - oh ja, den mag ich sehr gerne. Aber ich kenne und schätze da die unzähligen Tiroler Varianten, bei denen Fleisch, Gemüse und Kartoffeln zusammen gegart werden. Geschmorten Tafelspitz kannte ich bis gestern noch nicht. Entsprechend gespannt war ich darauf. Und was da auf den Teller kam, war ein richtiges Highlight. Ein ganz wunderbar zartes Fleisch mit einer Soße, die so gut war, dass wir nachgeordert haben. Der Tafelspitz war so zart, den konnte man mit der Zunge am Gaumen zerdrücken. Das Gemüse war schön knackig und nur ganz leicht in Butter geschwenkt. So schmeckte die Möhre nach Möhre und der Sellerie nach Sellerie, wie grad eben aus dem Garten geholt. Und die Goldtaler? Feine, kleine Kartoffelplätzchen mit einem Hauch Thymian waren eine schöne Idee und damit lies sich auch die Soße schön aufnehmen. Und irgendwie gab es da beim Fleisch einen Hauch von Salbei, aber der war genau richtig.
Dieses Fleischstück war einmal mehr der Nachweis, dass eine gute Fleischqualität und eine sanfte Niedertemperaturzubereitung (8 Stunden bei 80°C, wie uns der "Märchenkoch" Manfred Damm anschließend verraten hat) was Feines auf den Teller zaubern. Dieses Gericht kann ich jedem empfehlen. Allein dafür lohnt sich der Weg in den Landgasthof Steller.

Geschmorter Tafelspitz mit glasierten Trauben an Wurzelgemüse und Goldtalern


:: Die süße Flucht (Tischlein deck dich mit Schokoladenmousse auf Joghurt-Himbeerspiegel an Nuss-Halbgefrorenem und Früchten)
Nach dem Tafelspitz, so dachte ich, ist eine Steigerung schwer. Aber die kam aus der Küche in Form eines sehr schönen, in all seinen Teilen ganz fein aufeinander abgestimmten Dessert. Optisch sehr schön angerichtet, ich musste erst mal in Ruhe schauen und fotografieren, bevor ich das kleine Kunstwerk zerlegen konnte. Die Schokomousse verbarg sich in einer sehr feinen Biskuitrolle. Der Teig war, glaube ich, mit einem Hauch Marzipan gemacht. Dünn, aussen knusprig, trotzdem fein mürbe. Darin ein ordentlicher Klacks herb-süße Schokoladenmousse, in der sich auch genau die richtige Menge an Schokostückchen wiederfand. Das war mit einem Blätterteigdeckel abgedeckt und stand auf einem doppelten Spiegel: eine feine Joghurtcreme in der ich ein wenig weiße Schokolade vermute und eine Himbeercreme, die sehr konzentriert war und einen ganz intensiven Himbeergeschmack dazu lieferte. Dazu gab es dann noch das Nuss-Halbgefrorene. Schön Haselnussig, ich denke die waren leicht angeröstet, bevor sie zu Eis verarbeitet wurden. Es war zwar ein wenig umständlich, aber einmal habe ich alle Komponenten auf einen Löffel geschichtet und dann ab in den Mund. Und das empfinde ich als Kochkunst: das alles zusammen war dann im Mund eine stimmige Einheit. Also auch hier gilt, wenn sie da einkehren, gönnen Sie sich ein Dessert!

Schokoladenmousse auf Joghurt-Himbeerspiegel an Nuss-Halbgefrorenem und Früchten


:: Noch ein wenig drum herum
Die Tische waren passend zum Thema eingedeckt, mir haben besonders die bestickten Leinendecken gefallen. Zur Ziegenmousse und der Lachsterrine folgte ich der Weinempfehlung des Hauses und die war genau richtig. Grauburgunder (oder Pinot Grigio) ist ja leider viel zu oft ein eher mäßig guter Wein. Aber der hier war sehr schön. Feine Säure, schöne Frucht auch in der Nase und er kam immer richtig gekühlt ins Glas.

Tischlein deck dich...

Zum Tafelspitz probierte ich dann einen trocken ausgebauten Dornfelder, ebenfalls von der Nahe. Nun, der Name Dornfelder ruft bei mir immer eher einen Fluchtreflex hervor. War hier wirklich nicht angebracht. Schön trocken, feine rote Früchte in der Nase und im Geschmack. Er hielt dem Tafelspitz stand, war aber auch dezent genug. Und es ist ein Roter, der sich gut im Sommer leicht kühl trinken lässt. Empfehlung also. Ich hab mir nur dummerweise nicht das Weingut gemerkt, aber das lässt sich ja erfragen.
Die Zutaten waren so weit möglich aus der Region und auch der Saison entsprechend.
Insgesamt fand ich das Menü und den Ablauf des Abend als sehr gelungen. Bis zum Dessert hatte ich nicht einmal auf die Uhr geschaut, ich habe mich angenehm versorgt und wohlgefühlt. Die Idee, dieses Menü auch mit einer kleinen Märchenaufführung zu starten, fand ich sehr gelungen. Das darf gerne öfters so sein. Zum krönenden Abschluss brachte Manfred Damm noch selbst gemachte Schokoladentrüffel, optisch sehr schön in Herzform, geschmacklich: toll. schokoladig, viel herber Kakao, cremig, dahin schmelzend. Kann ich empfehlen, aber ein Herzchen reicht. Mehr ist sicher Sünde...

"Glücksdessert"

Den Rest erzählen die Bilder und was dann noch fehlt: einfach mal nach Gilserberg fahren und selbst probieren!

Märchenkoch Manfred Damm mit Pralinen