Samstag, 11. August 2012

Playdoyer für die eigene Ernte

   oder 
:: Rote Beete Carpaccio mit Büffel-Mozzarella und gerösteten 
    Kürbiskernen 
:: Pecorino Sardo Maturo und Brombeergelee mit Rosmarin 

War das grade ein Erlebnis! Und dabei habe ich mich Heute Morgen fast noch ein wenig geärgert. Donnerstag habe ich frische Rote Beete bei der Schwiegermama im Garten geerntet. 
Bis dahin steckt ja schon viel Arbeit drin. Aussähen, pikieren, versetzen. Wenn's zu trocken ist, Wasser schleppen und gießen. Das Ganze natürlich ohne Chemie oder künstliche Dünger. Natur pur. Die Ernte kann man hier vernachlässigen, die Knollen lassen sich baby-leicht aus der Erde ziehen. 
Dann wird es schon lustig. Blätter und Wurzelstrunk abschneiden - eigentlich einfach. Aber Obacht: wer das nicht aufpasst, hat für ein paar Tage rote Finger. Dann nach Hause damit, in kaltem Wasser gründlich mit der Gemüsebürste säubern. Samt Schale ab in den großen Topf mit Wasser. Zum kochen bringen und dann - je nach Größe - mindestens 20 Minuten gar köcheln. Abkühlen lassen und dann Einmalhandschuhe an und schälen. Das war zwischendurch am Donnerstag Morgen eine fröhliche Beschäftigung. 
Immerhin, weder Hände noch Kleidung hatten Rote Beete Saft abbekommen. Beim schälen überkamen mich erste Zweifel. Denn da war er, dieser leicht erdige Geruch. Genau der, der der Grund dafür ist, dass so viele Menschen keine Rote Beete mögen. 
Und dann war ich Heute Morgen noch eben einkaufen. Gemüseabteilung Bio-Discounter. Im vorbeigehen sehe ich als erstes: Rote Beete, fertig gegart, geschält, vakuumverpackt. 500 gr 1,49 €. Uups, dachte ich. Wie blöd, wenn die roten Knollen aus dem Garten jetzt nicht besser schmecken. 

:: Rote Beete Carpaccio mit Büffel-Mozzarella und gerösteten Kürbiskernen 
Damit man einen echten Unterschied rausschmecken kann, entscheide ich mich also für ein Carpaccio von der Roten Beete, gekrönt von Büffelmozzarella. Aber der Reihe nach. 
Zutaten für 2 Personen: 4 fertig gegarte Rote Beete (ca. 500 gr), 1 Büffelmozzarella (250 gr), 1 Bund frischer Schnittlauch, ca. 8 Esslöffel feinstes Olivenöl (da der Mozzaralle aus Kampanien kam, haben wir auch das Öl von  L'Oliveto - Casa di Baal von dort dafür benutzt), Fleur de Sel, frisch gemahlener Pfeffer, ein ordentlicher Schuss Balsamico, Kürbiskerne. 

Zubereitung: die Kürbiskerne in einer Pfanne anrösten. Sie sollten eine leichte Brauntönung annehmen (Aufpassen, kurz danach kommt wieder schwarz = verbrannt). Das Olivenöl, den Balsamico zusammen mit dem Salz, Pfeffer und etwa der Hälfte des fein geschnittenen Schnittlauchs (ziemlich viel "schnitt" hier) mit dem Schneebesen cremig aufschlagen. 2 Teller damit ausstreichen. 

Die Rote Beete hauchdünn aufschneiden und dicht nebeneinander in der Vinaigrette verteilen. Mit Viniagrette beträufeln und weiter schichten, bis die Rote Beete aufgebraucht ist. Den Mozzarella abtropfen lassen und leicht ausdrücken. In kleine Stückchen zupfen und je einen halben Käse auf die Teller verteilen. Mit dem restlichen Schnittlauch bestreuen und das Ganze nochmals mit der Vinaigrette beträufeln. Zum Schluss die gerösteten Pinienkerne drüber streuen und servieren. Dazu passt frisch gebackenes Ciabatta. 

Schon der erste Bissen war eine Offenbarung. Rote Beete vom feinsten! Sie schmeckten fein, intensiv fruchtig - von erdig nicht ein Hauch. Zusammen mit dem Olivenöl, dem Balsamico, Schnittlauch und dem Büffelmozzarella ein echter Gaumenschmaus. Intensiv-fruchtige Knollen mit Biss, weicher Käse, knuspernde Kürbiskerne die ein schönes Röstaroma beisteuern. Und immer der feine Fruchtgeschmack dieser gerade geernteten Rote Beete angenehm im Vordergrund. Dafür hat sich der Aufwand gelohnt. Welch ein Unterschied. Wenn Ihr also mal an selbst gezogene Rote Beete kommt, die so im Garten herangewachsen sind - unbedingt ausprobieren!

:: Pecorino Sardo Maturo und Brombeergelee mit Rosmarin 
Es war so eine Idee. Letztes Wochenende haben wir es ausgetestet und die Grundlage geschaffen. Brombeeren aus dem Garten entsaftet. Daraus haben wir eine ganz normalen Brombeergelee gekocht. Der extravagante Tick kam am Ende. Nach dem Kochen haben wir ganz fein gehackten frischen Rosmarin in die heiße Masse gegeben, in die Gläser gefüllt, fertig. Ob da die Mischung stimmt, konnten wir erst wirklich feststellen, nachdem der Gelee ganz erkaltet war. Auf Brot fanden wir das schon sehr gelungen. Heute musste da noch einer oben drauf. Wir haben unseren sardischen Bio-Pecorino Sardo Maturo DOP (aus Bio-Schafsmilch hergestellt, länger gereift, kompakt, sehr aromatisch) mit diesem Brombeer-Rosmarin-Gelee als Dessert probiert. Ein Knaller, wirklich. 
Ein Stück Käse hauchdünn mit dem Gelee bestreichen und dann in kleinen Stücken abbeissen! Zuerst: Rosmarin, dann intensive Brombeerfrucht, dann das körnige Gefühl des gereiften Pecorino und sein feines, intensives Aroma. Und beim Kauen vermischt sich das alles ganz fein harmonisch zu einem rundum gelungenem Geschmackserlebnis, aber gleichzeitig auch zu einem äußerst angenehmen Mundgefühl. Auch dazu passt ein Stückchen Ciabatta. 
Aber ehrlich - in dem Fall gilt - das geht am besten ganz ohne Brot. Den Käse haben wir zur Zeit im Online Shop (Bio-Pecorino Sardo Maturo DOP). Super lecker, wie alle anderen sardischen Käsesorten auch. 

Als feine Begleitung gab es einen Rosato aus den Marken. Der passte zu beiden Gerichten, ergänzte dezent und war ein schöner Trinkspaß. Entscheidend aber war dieses Ergebnis der eigenen Ernte. Klar hat nicht jeder einen eigenen Garten. Aber der Bio-Landwirt oder Gemüsebauer um die Ecke hat ihren Besuch verdient. Das Ergebnis spricht einfach für sich. Vom Rosato gibt es noch ein paar Kistchen, ist jetzt im Sommer ein ungetrübtes Trinkvergnügen ("Grotte sul Mare" - Marche Rosato IGT)